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Singende Krankenhäuser e.V. auf Fachsymposium in Nürnberg

... vertreten durch unsere Mitglieder Christa & Frank Schäffer

Organisator Dr. Wolfgang Baumgärtner ist selbst aktiver Musiker

Ca. 80 Teilnehmer aus den Bereichen Musiktherapie, Musikermedizin und Forschung kamen am letzten Juli-Wochenende zum Symposium „Musik und Medizin“ in Nürnberg zusammen. Dort wo sich die Altstadt durch das Bardentreffen zu einer einzigen großen Flaniermeile mit vielfältigsten Musikdarbietungen verwandelt, boten die Veranstalter Dr. Wolfgang Baumgärtner und Prof. Thomas Loew die Gelegenheit zum Brückenbauen, Netzwerken und Informationsaustausch - es ging um aktuelle Themen in Musik und Medizinforschung. Neben Fachvorträgen und praktischen Darbietungen konnte das größtenteils aus angehenden oder fertig ausgebildeten Musiktherapeuten und Medizinern bestehende Auditorium spezielle Themen in parallel angelegten Workshops vertiefen.

Das Programm des Symposiums spannte einen weiten Bogen – Themen aus Schmerzforschung, Musikermedizin (mit einem spannenden Exkurs zur Auftrittsangst) sowie Kardiologie (mit einem Spontanvortrag von Thomas Loew zur Wirkung von Musik auf die Herzratenvariabilität) bildeten die Pfeiler von medizinischer Seite. Beiträge aus der Musikgeschichte, Praxisberichte aus der psychosomatischen und Palliativmedizin bauten auf diesen auf.

Workshops: TaKeTiNa, Meridian-Mantren und CircleSinging

TaKeTiNa, Meridian-Mantren und ein inspirierendes CircleSinging mit Anette Mahlberg brachten das praktische Erleben eindrucksvoll ins Symposium.
Eines der angekündigten Glanzlichter war die Vorstellung des neuen Buches von Prof. Gunter Kreutz. Leider war dieser verhindert, so stellte Mitherausgeber Prof. Bernatzky aus Salzburg den neuesten Stand der Forschung zu evidenzbasierten Anwendungen von Musik vor. Aus der Sicht der Biologie informierte er beispielsweise über neue Forschungsreihen an Krankenhäusern und seine Erfahrungen mit dem „Musikament“-Ansatz zur Senkung des Arzneimitteleinsatzes.

Stand von Singende Krankenhäuser e.V.: Christa Schäffer informiert

Die "Singenden Krankenhäuser" umrahmten zusammen mit einem sachkundig recherchierten Büchertisch einer Fachbuchhandlung neben einer wohl klingenden Auswahl von Musikinstrumenten der Fa. Allton dieses Symposium. Christa und Frank Schäffer stellten interessierten Teilnehmern und Referenten die Arbeit des Vereins vor, bewarben die Fortbildungsangebote und konnten vielversprechende Kontakte aufbauen. Quasi nebenbei kamen noch ausgewählte Bücher und CDs aus dem Webshop unter das interessierte Fachpublikum. Für das 2017 geplante Symposium ist angedacht, auch für Singende Krankenhäuser e.V. einen Workshop oder Vortrag ins Programm zu nehmen.

Das gesamte Symposium war getragen von großen Ambitionen und viel Begeisterung für den vertieften Einsatz des „Musikaments“ in der Medizin. Ein weiterer hoffnungsvoller Ansatz für das Zusammenwachsen der in der Praxis oft noch als unvereinbar erachteten Systeme. Und eine ansprechende Plattform für die Präsentation unseres Vereins als gelebte Symbiose von Musik und Medizin.

"Reden reicht nicht!?" - Fachkongress für Psychotherapie in Heidelberg

Elke Wünnenberg war begeistert vom Hauptredner Dr. Stephen Porges

"Der Körper ist die Bühne der Gefühle" (Antonio Damasio)

Vom 24.5.16 bis 29.5.16 erlebten über 2000 Teilnehmer die Konferenz "Reden Reicht Nicht!?". Sie wurde gemeinsam von Michael Bohne, Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle und Matthias Ohler (Carl-Auer Akademie) ins Leben gerufen. Ziel dieser Tagung ist es, innovativen Konzepten in der Psychotherapie Raum zu geben und über Wirkungsweisen und Anwendungsmöglichkeiten zu diskutieren. Über 100 Referentinnen und Referenten waren an diesen Tagen eingeladen, ihre Techniken und Methoden einer prozess- und körperzentrierten Psychologie vorzustellen. Auch die Arbeit mit Stimme und Gesang fehlte nicht. Mit einem Workshop „Singen und Selbstregulation“ war auch "Singende Krankenhäuser e.V." mit ihrer Vorsitzenden Elke Wünnenberg vertreten. Neben den vielfältigen Einblicken in praktische Arbeit fanden auch anregende Podiumsdiskussionen und Vorträge statt.

Elke Wünnenberg, Dr. Stephen PorgesEiner der spannendsten Hauptredner war Dr. Stephen Porges, Professor für Psychiatrie und Biomedizintechnik, Direktor des Brain Body Centers an der University of Illinois in Chicago. Er war Präsident der „Federation of Behavioral, Psychological and Social Sciences” und der “Society for Psychophysiological Research”. Von 1985 bis 2001 war er Professor für humane Entwicklung und Psychologie an der University of Maryland/Collage Park und Direktor des “Institut for Child Study“. Er ist verheiratet mit Sue Carter, einer international bekannten Expertin im Bereich der Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin in Bezug auf soziales Verhalten; sie ist Co-Direktorin des Brain Body Centers. Man kann sich die lebhaften und geistig gegenseitig befruchtenden Interaktionen über das Frühstücksei hinweg vorstellen, welche dann anschließend im Labor überprüft werden sollen. Ursprünglich erforschte Porges anfangs der 90er Jahre das autonome Nervensystem, repräsentiert durch das sich gegenseitig balancierende parasympathische Nervensystem, vermittelt durch den Nervus vagus und das sympathische Nervensystem. Porges entdeckte damals das Prinzip der Herzraten-Variabilität (HRV), welches heute vielfältig genutzt wird. Damals ging Porges davon aus, dass ein Organismus je parasympathischer gestimmt, desto gesünder sei. Dass dem nicht so war, wurde ihm durch das Feedback eines Kinderarztes auf eine Publikation bewusst: in der Neonatologie ist eine Bradykardie ein lebensbedrohliches Alarmzeichen. Dieses Phänomen, von Porges als „Vagus-Paradox“ bezeichnet, wurde Ausgangspunkt zu einem intensiven Literaturstudium, welches in die eigentliche PVT mündete. Seine Forschungsarbeiten, die er im Rahmen der „Polyvagaltheorie“ bündelt, können aktuell als einer der wegweisenden wissenschaftlichen Ansätze gesehen werden. Porges Polyvagaltheorie rollt dem Singen „den roten Teppich“ aus, lässt verstehen, wie und warum über Gemeinschaftserleben, Kontakt und Resonanzerfahrung Selbstheilungskräfte entfaltet, „versteinerte Herzen“ geöffnet werden können und Lebensfreude pur spürbar wird. Neben dem Singen war es vor allem das wissenschaftlich erforschte Lächeln von Stephen Porges und seine Ideen, die ansteckend wirkten.

Wieder einmal konnte sich die Initiative „Singende Krankenhäuser e.V.“ einem interessierten und aufgeschlossenen Fachpublikum des Gesundheitswesens präsentieren, wurden Kontakte geknüpft und Visionen entwickelt und „last but noch least“ Prof. Dr. Stephen Porges in den wissenschaftlichen Beitrat der Initiative eingeladen.

Zertifizierung des 1. Singenden Altenheims in Hamburg

v.l.: Thomas Ritzenhoff, Stefanie Metasch, Helge Röschmann, Vera Liesznanska, Thomas Jüchter, Ingeborg Henker-Kelsch, Dirk Ackermann

Bericht über die Seniorenwohnanlage Walddörfer in Hamburg-Wandsbek von Thomas Jüchter

Im Rahmen eines großen Festes wurde der Seniorenwohnanlage Walddörfer am 26.05.2016 als erstem Hamburger Altenheim von mir das Zertifikat „Singendes Altersheim“ durch den Verein Singende Krankenhäuser e.V. verliehen - damit sind deutschlandweit 68 Altenheime und 400 Krankenhäuser zertifiziert.

Das 25-jährige Bestehen der Wohnanlage Walddörfer gab einen sehr würdigen Rahmen bei typischem Hamburger Schietwetter (--> Nieselregen). Thomas Ritzenhoff, Leiter des Bezirksamts Wandsbek, gratulierte herzlich und freute sich mit Stefanie Metasch (Singleiterin für Altersheime und Senioren in der Seniorenwohnanlage Walddörfer), Helge Röschmann (Leiterin der Seniorenwohnanlage), Vera Liesznanska (Singleiterin), Thomas Jüchter (Singende Krankenhäuser e.V.), Ingeborg Henker-Kelsch (Seniorenhilfe Berne e.V.), Dirk Ackermann (Leiter des Geschäftsbereich Wohnen im Alter der vhw), den Bewohnern, Mitarbeitern und Gästen über die Auszeichnung.

Bei den Walddörfern wird es nicht langweilig, es finden täglich diverse Betreuungsangebote statt, die jedem der knapp 200 Bewohner etwas bieten. Seit 2012 gibt es eine Musikgruppe, die ein fester Bestandteil der Einrichtung ist. Zuständig dafür sind eine ausgebildete Pflegefachkraft mit den Zusatzqualifikationen Gerontofachkraft und Altentherapeutin sowie die zwei zertifizierten Singleiterinnen Stefanie Metasch und Wienzlawa Lieznianska. Zusätzlich werden die Bewohner und Mitarbeiter von dem Freundeskreis Seniorenhilfe e.V. mit seinen zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt. Mehrmals wöchentlich finden im Rahmen der Musiktherapie Einzel- und Gruppenangebote statt. Der hauseigene Chor, der zu allen Geburtstagen und Festen des Hauses auftritt, trifft sich einmal in der Woche. Die evangelische Kindermusikschule Bergstedt pflegt seit Juni 2014 eine Patenschaft mit der Einrichtung unter dem Motto: „Musik verbindet“. Regelmäßige Begegnungen sorgen für ein lebendiges und generationsübergreifendes musikalisches Miteinander. Daneben liegt derSchwerpunkt der Musiktherapie auf Einzelbegleitung und Kleingruppenarbeit.
Vor allem bei Bewohnern mit gerontopsychiatrischen Einschränkungen erreicht die Musiktherapie großen Anklang.

Thomas Jüchter begeistert Bewohner und Gäste mit flotten Liedern

Bei unserem Besuch anlässlich der Zertifizierung konnten meine Frau Karin und ich uns von der Sang- und Klangfreudigkeit überzeugen. Nach der Würdigung des Singens durch Geschäftsführers Dirk Ackermann und Grußworten des Bezirksamtsleiters Wandsbek, Thomas Ritzenhoff, und der feierlichen Überreichung unserer Urkunde an die Leitung der Wohnanlage Helga Röschmann sangen wir mit den Bewohnern und Gästen.

Spätestens beim Plattdüütschen Klassiker "Herrn Pastor sien Kauh" kam geradezu Köllsche Karnevalsstimmung auf
HUMMEL HUMMEL! - MORS, MORS! (das Hamburgische ALAAF - für die Nicht-Eingeweihten).

Der Verein „Singende Krankenhäuser e.V.“ hat eine Einrichtung gewonnen, in der die Idee und der Geist von Singende Krankenhäuser e.V. gelebt und überall spürbar ist. Die Herzlichkeit, die Gemeinschaft und Verbundenheit lebt über und durch Sang und Klang hinaus.

Fotos: Jan Haeselich für die vhw

Sing-Kongress in Slowenien

Unser Mitglied Monika Wiese war dabei

v.l.: Ana Tavcar, Monika Wiese, Damjana Zupan,
Dr. Katarina Habe, Blaz Roijko

Vom 13.-22. Mai veranstaltete der slowenische Verbund für öffentliche Kulturarbeit, JSKD, in Ljubljana eine Veranstaltungsreihe zu Amateur-Chormusik. Über 1000 Veranstaltungen in einer Woche - das ist ein beeindruckendes Zeugnis für die weit verbreitete Sing- und Chorkultur in Slowenien. Zum ersten Mal wurden in diesem Rahmen auch weitere soziale, unterstützende Aspekte des Singens in den Fokus gerückt.

„Singen auf Rezept“ lautete das Motto des Runden Tisches, bei dem Vertreter verschiedener Bereiche über die heilsamen Aspekte des Singens in Austausch kamen.

Ideengeberin war Frau Mihela Jagodic, Leiterin der Abteilung für Chormusik, die zutiefst von der umfassenden Wirkung des gemeinsamen Singens überzeugt ist. In Vorgesprächen berichtete sie, dass sie seit Jahren das soziale Potential des Singens sehe, aber nie „Beweise“ gehabt hätte. Hier war ich wirklich dankbar zu erkennen was für eine Fülle an zusammengetragenen Informationen uns bei Singende Krankenhäuser e.V. zum Thema Singforschung bereit gestellt wird und wie hilfreich dies ist.

Mihela Jagodic eröffnete den Abend vor einem ausverkauften Saal mit Erlebnissen aus dem (Sing-)Alltag: Wie kann es sein, dass Menschen sich nach anstrengenden Arbeitstagen abends zu einem weiteren verpflichtenden Termin in eine Chorprobe setzen und anschließend mehr Energie haben als vorher? Was steckt dahinter, wenn Menschen die sich eher als schüchtern begreifen, über die Jahre in einem Chor an Selbstbewusstsein gewinnen und selbstsicherer im Kontakt sind? Wie kommt es, dass Menschen mit Demenz beim Hören von Liedern einstimmen und wieder den Zugang in die Sprache finde, textsicher ganze Lieder mitsingen können?

Mit dieser „emotionalen Steilvorlage“ übergab sie den Redestab an TV Moderatorin Ana Tavcar-Petrovic, selber langjährige Sängerin, die stimmungsvoll und spritzig zwischen den verschiedenen Erkenntnis- und Erfahrungsfeldern von uns geladenen Gästen modulierte. Zu nennen sind hier die Gäste:
Dr. Katarina Habe, Sängerin und Lehrende Musikpsychologin mit dem Schwerpunkt Neuropsychologie in Maribur, Damjana Zupan, Musikpädagogin mit ganzheitlichem, körperorientierten Ansatz am Konservatorium für Musik und Tanz und Blaz Roijko, Sozialarbeiter, Soziologe und Chorleiter mit vielen sozialen Chorprojekten für Arbeitslose und Kinder. Als vierte im Bunde hatte ich, Monika Wiese, die Freude, die Arbeit und Vision von Singende Krankenhäuser, bzw. die gesundheitlichen Effekte des Singens vorzustellen.

Die Stimmung zwischen uns „Vieren“ war von Anfang an sehr herzlich, offen und interessiert. Es war spannend für mich, Fragen der Moderatorin nach wortwörtlicher „Heilung“ durch Gesang gestellt zu bekommen und den Bogen zur inneren Haltung die uns in unserer Arbeit leitet, einer Unterstützungskultur in jeder Hinsicht, zu spannen. Diese Haltung war wohl den Rednern, aber längst nicht allen Medizinern vertraut.

Ganz deutlich wurde in allen Beiträgen: gemeinsames Singen kann Quelle für heilsames Erleben, Erfahrung von Gemeinschaft, Sinnerleben sein und die Persönlichkeit stärken - solange es frei von Leistungs- und Erwartungsdruck ist. Das zeigen im positiven Sinne Projekte von Blaz Roijko, der im Arbeitsamt Gesuche nach neuen Chormitgliedern aushing und viel Zulauf erhielt, sowie unsere vielfältigen Erfahrungen der Singgruppen und Singangebote in Gesundheitseinrichtungen. Es gibt aber auch  traumatische musikalische Erfahrungen, die Damjana Zupan in ihrer Arbeit mit Musikschülern aufgreift und konstruktiv umwandelt.

Wie sehr Musik und Gesang dem Gehirn helfen, als Ganzes zu arbeiten und die Hemisphären dabei eng miteinander kooperieren, ist das Spezialgebiet von Katarina Habe.
Sie motiviert mittlerweile alle Studenten dazu, über die Wirkungen des Singens zu forschen und legte gleichzeitig eine beeindruckend natürliche Haltung an den Tag, als sie nach herausragenden Forschungsergebnissen ihrer Forschung  gefragt wurde. Ich gebe das aus dem Englischen übersetzt hier wieder:

„Ich bitte sie, um all diese Ergebnisse nicht zu viel Wirbel zu machen. Tatsächlich ist das Singen eine der natürlichsten Ausdrucksweisen des Menschen. Menschen haben schon immer miteinander gesungen, um sich auszudrücken, Gemeinschaft zu erfahren, sich zu heilen. Wir haben das verlernt und tun nun so als ob wir es neu entdecken. Tatsächlich war es schon immer da. Denken Sie also nicht zu viel an diese ganzen Ergebnisse - singen sie einfach!“

Gesangseinlage von Monika Wiese

Das taten wir denn auch - ich durfte mit einem kurzen stimmungsvollen Warm Up die Zuhörer in Bewegung bringen und den Unterschied zum Chorsingen praktisch erfahrbar machen.
So begegneten sich die Saalgäste im Kanon mit „I am here with you, you are here with me. We are together, we are one when we sing with all our hearts“, was zu anhaltender Herzlichkeit und viel freudiger Schwingung unter den  Anwesenden führte.

Weiter entspann sich ein Austausch über das Paradoxon des Singens -wie schlicht es auf der einen Seite ist- und wie komplex, wirkungs- und gehaltvoll wenn wir beginnen näher zu forschen und zu untersuchen, und dass es für einzelne Zielgruppen sinnvoll und richtungsweisend  ist, bestimmte Parameter herauszuheben.

Das Thema stieß beim Publikum insgesamt auf großen Zuspruch: der Raum war bis auf dem letzten Platz besetzt - unter den Besuchern zwei Musiktherapeutinnen, Ärzte, Journalisten und Chorsänger mit Bezug zu sozialen/gesundheitlichen Arbeitsfeldern. Das Interesse an der Weiterbildung, der Vernetzung untereinander -den Forschungszentren und den Chorverbänden- ist groß, und Slowenien bringt mit seiner Fülle an singfreudigen Menschen einen fruchtbaren Boden für eine echte Pionierarbeit im Gesundheitswesen mit.

Welche Strukturen es braucht, welche genutzt werden können, wie offen die Entscheidungsträger sind, das wird sich zukünftig weisen. In jedem Fall ist den Veranstaltern ein echter Coup in Sachen Öffentlichkeitsarbeit gelungen. Sonst fast nie von den Medien beachtet, gab es in diesem Rahmen ein Radio- und zwei TV-Interviews zum Thema Singende Krankenhäuser e.V. - was auch für mich eine schöne Anekdote bleiben wird: Wann sieht man sich schon einmal mit Gitarre auf einer pittoresken Brücke in Ljubljana stehen und heilsame Lieder in eine Fernsehkamera singen? Liebe Daniela Sauter de Beltré, nun wandert dein Lied also auch durch Slowenien!

Wir können uns nur glücklich schätzen, wenn die Vision des weltweiten Netzwerkes in Europa wächst und Slowenien das nächste Land mit Singenden Gesundheitseinrichtungen wird - vielleicht entwickeln sich eigene „Tonarten“ von Land zu Land, wir werden sehen wie der Same sich entwickeln mag. In jedem Fall aber soll das Singen verbinden - und uns zu uns selbst und dann wieder zueinander führen.
Ich danke von Herzen für das Vertrauen, die „frohe Botschaft“ weitertragen zu dürfen. Ich hatte viel Freude am Vernetzen und Inspirieren und natürlich: Am Singen!

"Singende Krankenhäuser e.V." im slowenischen TV:
Gestern wurde der 18minütige Beitrag zum slowenischen "Sing-Kongress" zur besten Sendezeit auf dem populärsten TV-Kanal gezeigt. Sie können unsere Referentin Monika Wiese ab Minute 8:30 dort sehen...
www.24ur.com

Weitere Infos zum Kongress findet Sie weiter unten auf dieser Facebook-Seite:
www.facebook.com

Zertifizierung der NeuroCare Rehaklinik Salzburg zum Singenden Krankenhaus

v.l.: Elke Wünnenberg, Barbara Balika, Dr. Heinrich Bartsch

Bereits seit zwei Jahren wird in der NeuroCare Rehaklinik auf dem Gelände der Christian-Doppler Klinik in Salzburg Singen in einer allen offenstehenden Gruppe angeboten. Singen findet einmal wöchentlich im Aufenthaltsbereich der Station statt, so dass die beschwingten Töne und beseelten Texte auch all denjenigen zugänglich sind, denen nach einer neurologischen Erkrankung noch vieles schwer fällt und für die auch kurze Wege noch weit sind - und bewegen nicht selten Patienten und Besucher anderer Stationen dazu, sich einen Moment zu den Singenden hinzuzugesellen und die heilsame Kraft des Singens zu teilen.

Für Frau Barbara Balika, Diätologin und zertifizierte Singleiterin nach der Weiterbildung der Initiative "Singende Krankenhäuser", ist das Singen eine Herzangelegenheit geworden. Voller Begeisterung berichtet sie, dass das Singangebot ihren Kontakt zu den Patienten (und diesen untereinander!) nachhaltig verändere und somit ihre therapeutischen Möglichkeiten sehr positiv erweitere. Singen stellt für sie selbst und für die TeilnehmerInnen eine Ressource dar. Beim Singen kann Energie, Lebensfreude und Kraft getankt werden. Die Singgruppe wird als Freizeitaktivität angeboten. Ziel ist, dass sich die TeilnehmerInnen wohl zu fühlen und selbstwirksam erleben. Hier wird nicht an den Defiziten gearbeitet, jeder trägt bei, was gerade möglich ist. Gerade Patienten mit Sprachstörungen erleben hier, dass Worte möglich sind und dass sie trotz Einschränkungen Anteil haben.  Besucher, ehemalige Patienten und Menschen die die Gruppe singen hören und Lust haben mitzumachen sind herzlich eingeladen Platz zu nehmen und dabei zu sein.

Das Singangebot wird von der Ärztlichen Leitung und Mitarbeitern geschätzt und gefördert. Der stellvertretende Leiter Dr. Heinrich Bartsch gab bei der Eröffnung einen Überblick über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen zum Singangebot in der NeuroCare Rehaklinik  und erklärte seine Bereitschaft, sich für die Verbreitung und Akzeptanz von Singangeboten in der Neurologie mit einem Forschungsprojekt in seinem Hause zu engagieren.

Seit 25.04.2016 ist die Rehaklinik NeuroCare ein offizielles "Singendes Krankenhaus".

Im Rahmen einer Zertifizierungsfeier mit Impulsvortrag, Workshop und Pressekonferenz überreichte die am 16.04.2016 gewählte 1. Vorsitzende der Initiative Elke Wünnenberg das Zertifikat - am selben Abend brachte der ORF2 einen entsprechenden Beitrag (Sendung ansehen).

Und in den Salzburger Nachrichten erschien ebenfalls ein Artikel - siehe Anlage:

SiKra-Mitgliederversammlung 2016

"Willkommen Kai, herzlichen Dank Norbert - und weiter so!"

links: Kai von Lünenschloß, Vera Kimmig

Bericht von Monika Wiese

Am 16. April fand die jährliche Mitgliederversammlung in Bad Waldsee statt – ca. 40 Mitglieder und Gäste waren der Einladung in das schwäbische Gesundheitsstädtchen gefolgt. Gastgeber war die Akutklinik Urbachtal für psychische und psychosomatische Störungen in der Elke Wünnenberg tätig ist.

Vor dem Wort ist der Klang - so stimmte Thomas Jüchter die Angereisten mit einem beschwingten Warm Up und den ersten Liedern ein. Bei den eröffnenden Worten des Klinikleiters Dr. Reinken und des Bad Waldseer Bürgermeisters drückten beide unmittelbar aus, wie die herzliche Atmosphäre des Singens sie entstresste und neugierig auf mehr werden lies. Gerlinde Kretschmann bekräftigte mit all ihrer Begeisterungsfähigkeit, die Singenden Krankenhäuser weiter zu unterstützen und brach - ganz Schirmherrin - eine Lanze für das vorherrschende Regenwetter, was für große Erheiterung sorgte. Auch Prof. von Wahlert, der als ehemaliger Leiter der Klinik schon bei der vergangenen Jahreskonferenz mit seinem beseelten Vortrag über Resilienz seinen Einstand als Wissenschaftlicher Beirat gegeben hatte, war zu Gast. Sein großes, beherztes Engagement „Was kann ich für das Netzwerk tun?!“ sind eine echte Bereicherung - vielen Dank dafür!

Als „jüngstes Familienmitglied“, so Dr. Reinke, wurde dann die Akutklinik von Vera Kimmig als Singendes Krankenhaus zertifiziert und in das Netzwerk aufgenommen. Herzlich Willkommen - wir freuen uns mit Elke Wünnenberg und allen Patienten!

Der Vorstand: Norbert Hermanns, Elke Wünnenberg, Vera Kimmig und Sonja Heim als Geschäftleitung waren in den vergangenen Monaten wieder unfassbar fleißig, rege und kreativ. Das stetige Wachstum des Vereins erfordert, wie das bei Heranwachsenden so ist, immer wieder ein neues „Outfit“. So wurde die neue Homepage - schon die 3.! - vorgestellt. Neu ist neben der größeren Klarheit vor allem der Teilnehmer-/ Patientenbereich, der zukünftig mehr in den Blick genommen wird. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte unbedingt einmal einen Blick darauf werfen.

„Singende Krankenhäuser e.V.“ hat sich in den letzten Jahren verändert und entwickelt. In den Modulen gibt es immer mehr Teilnehmer aus therapeutischen und medizinischen Berufen, über diese Resonanz freut sich der Vorstand sehr. Klarheit und Transparenz über die Inhalte und die Wirkung des heilsamen Singens nach außen zu vermitteln, das soll zukünftig noch leichter werden. Elke Wünnenberg stellte dies anhand ihrer Kurzpräsentation über Singende Krankenhäuser, Singforschung und Wirkfaktoren exemplarisch dar. Die Inhalte werden im internen Bereich online zur Verfügung gestellt und dürfen für Vorträge genutzt werden. Weitere Informationen und Unterlagen zu anderen Themenschwerpunkten (Onkologie / Altenheime etc.) dürfen gerne ergänzt werden - so bleibt die Unterstützungskultur lebendig und das Rad muss nicht laufend neu erfunden werden.

Immer wieder wurde gesungen, um Köpfe, Herzen und Sinne frisch zu halten und in Verbindung zu bleiben. Diese Qualität ist für sonst so kopflastige Sitzungen gar nicht zu unterschätzen und inspirieren, diese Kultur vielleicht auch in andere Lebensbereiche einzubringen.

Einen Einblick in die Praxis und zwei neue Module gab es in zwei Kurzworkshops.
In einem Impulsvortrag stellten Silke Kammer und Simone Willig ihr Modul „Singen, Musik und Bewegung für ältere Menschen und deren praktische Umsetzung mit besonderem Augenmerk auf „Schwerstpflegebedürftige“ vor, das im Mai in Bad Herrenalb startet. In vielen Praxisbeispielen und Übungen gaben sie Einblick, welche Veränderungen im Pflegealltag möglich sind. Außerdem zeigten sie auf, wie Musik in die Pflegeplanung integriert werden kann und in Kurzbegegnungen wirkt.

Mit Kai von Lünenschloß, ebenfalls neu im Dozententeam, begaben sich die Teilnehmer auf eine Tonfindungsreise - per Imagination zunächst nach innen und erforschten dann stimmlich Wege nach außen. TeilnehmerInnen und Gruppe wurden binnen Momenten zu einem Klangkörper und es entstanden viele berührende und v-erinnernde Begegnungen im Klingen. So war im anschließenden Feedback viel Wohlklang zu hören. Das Modul startet im Juli.

Eingebettet in so viel inhaltlichen Reichtum war schließlich die eigentliche Tagesordnung des Vereins. Norbert Hermanns hatte sich entschieden, sich nicht noch einmal für den Vorstand zur Wahl stellen zu lassen und verließ damit seine Aufgabe als 1. Vorsitzender des Vereins. Da darf eine satte Lobhudelei, und viel viel herzlicher, sehr dankbarer Beifall für sein Wirken und Voranbringen und persönliches Wachstum nicht fehlen - und sie kam!
Wolfgang Bossinger sprach auch noch einmal seinen ganzen Dank dafür aus wie selbstverständlich er damals für ihn den Posten übernommen habe, und das „Schiff“ SiKra durch die verschiedenen Herausforderungen brachte.

Wie sieht nun also der neue Vorstand aus?
Als 1. Vorsitzende wurde Elke Wünnenberg gewählt - einstimmig!
Herzlichen Glückwunsch! Sie bereichert das Netzwerk mit so viel fachlichem Input und menschlicher Feinsinnigkeit.
Als 2. Vorsitzender und neues Gesicht im Vorstand dürfen wir uns über das Wirken von Kai von Lünenschloß freuen - er bringt als Musiker, Musiklehrer, Körpertherapeut, Netzwerker und Mensch jede Menge Erfahrung und Leidenschaft mit.
Sehr herzlich willkommen!
3. Vorsitzende bleibt Vera Kimmig, mit ihrer sprühenden Art zu organisieren und zu aquirieren.
Wir wünschen Euch eine gute Zusammenarbeit!

Der Tag klang mit einem MitsingAbend in einer kleinen Kapelle von Bad Waldsee aus – eingeladen waren Patienten der anliegenden Kliniken. Die zauberhafte Akustik und improvisierte Vielfalt der Anleiter brachte diesem friedlichen, stimmigen Tag einen rund-klingenden Abschluss, bei dem Dr. Reinke von der Klinik seinen Eindruck des Tages zusammenfasste und aus seiner Erfahrung sprach, wie sehr uns das Singen in Beziehung zu bringen vermag. Wie gesagt - es darf einfach und leicht sein.

Danke für eine tolle Organisation und die familiäre, authentische Atmosphäre und die inhaltliche Fülle!

Kliniken des Landkreises Lörrach zum Singenden Krankenhaus zertifiziert

Wir sind ein „singendes Krankenhaus“

Wolfgang Bossinger, Bettina Mehlin (Pflegeklinik für Psychiatrie und Psychotherapie), Armin Müller (Geschäftsführer)

Der Betriebsrat der Kliniken des Landkreis Lörrach berichtet in seiner Ausgabe 1 / 2016 über die Zertifizierung:

Wir, die Kliniken des Landkreises Lörrach sind ein „singendes Krankenhaus“, aber, was bedeutet das?
Mit viel Gesang wurde die Zertifizierung der etwas anderen Art am 1. März um 15 Uhr in der Cafeteria des Lörracher Krankenhauses gefeiert. Der Gründer und Ehrenvorsitzende des Vereins „singende Krankenhäuser“, Wolfgang Bossinger und seine Frau Katharina übergaben in einem feierlichen Akt die Urkunde an Geschäftsführer Armin Müller und an Bettina Mehlin, die nicht ruhte, bis sie Hr. Müller davon überzeugt hat, dass das eine gute Sache ist.

Der Verein „Singende Krankenhäuser“ engagiert sich fürs Singen in Gesundheitseinrichtungen, denn Gesang stärkt Körper und Geist, ob gesund, jung, alt, krank oder beeinträchtigt. An der Psychiatrischen Klinik Christophsbad in Göppingen fing alles an: 2006 rief Musiktherapeut Wolfgang Bossinger hier eine Singgruppe ins Leben. Ein Angebot, das bei Patienten, Pflegepersonal und Medizinern großen Anklang fand. Hautnah konnten die Laiensänger erleben, wie positiv sich gemeinsames Singen auf Körper und Psyche auswirken kann.

Auf Initiative von Wolfgang Bossinger wurde 2010 das Gesundheitsprojekt „Singende Krankenhäuser e.V.“ gegründet, ein internationales Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen. Seither setzt sich der Verein für heilsame Singangebote ein – unter anderem in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen. Musik ist die Sprache der Gefühle. Durch heilsames Singen in der Gruppe bekommen viele Menschen einen anderen Zugang zu ihrer Gefühlswelt. Zudem stärkt Singen den Teamgeist, hilft beim Stressabbau und stärkt die Gesundheit.

Bettina Mehlin, Krankenschwester in der psychiatrischen Abteilung in Schopfheim und Betriebsrätin leitet die Singgruppe für PatientInnen, ehemalige PatientInnen, Angehörige und MitarbeiterInnen der Kliniken. Für alle, die Lust zum Mitmachen haben, das nächste Treffen ist am 23.03.16 um 17 Uhr im Personalwohnheim in Schopfheim Probieren Sie es aus, bei uns gibt es keine falschen Töne, nur Variationen. Wir singen um uns zu erfreuen und zu entspannen.
www.klinloe.de

Der Geschäftsführer Armin Müller berichtet über die Kliniken und Chanten als Therapie

Mit jährlich ca. 22.000 stationär versorgten Patienten und rund 1.500 Mitarbeitern sind die Kliniken des Landkreises Lörrach mit ihren drei Standorten Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim Anlaufstelle Nr. 1 für Patienten im Landkreis Lörrach.

Durch eine gezielte Strukturentwicklung konzentrieren wir uns an unseren drei Standorten auf definierte Leistungsschwerpunkte. Dadurch profitieren die Patienten von einem besonders breiten Leistungsangebot und die Mitarbeiter von umfassenden Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten. „Teamgeist, Achtsamkeit, Kommunikation, Struktur und Innovativität“ bilden den Kern unseres Wertekonzeptes und die Grundlage unserer „Werteorientierten Personalentwicklung“. Wir haben uns auf den Weg gemacht, diese Werte in unser tägliches Arbeiten miteinander, mit unseren Patienten und deren Angehörigen zu implementieren.

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Kreiskrankenhaus Schopfheim ist ein wichtiger Baustein der wohnortnahen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungsangebote im Landkreis Lörrach. Ihre Aufgabe besteht in Diagnostik, Krisenintervention und Behandlung im Rahmen eines durchschnittlich vier- bis sechswöchigen, stationären Aufenthaltes. Sie verfügt über ein umfangreiches Angebot einer modernen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Diese beinhaltet neben der individuell auf den Patienten abgestimmten modernen Pharmakotherapie auch psychotherapeutische Angebote mit Einzel- und Gruppengesprächen sowie Psychoedukation, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, Physio- und Bewegungstherapie, Ergotherapie, Training sozialer Kompetenzen, Chanten etc.

Das Chanten wird den Patienten als freiwillige Therapie angeboten und sehr gut angenommen. Positiv ist, dass kein Leistungsdruck besteht und jeder, der mitmacht, frei entscheiden kann, was und wie er sich einbringt. Wichtig ist die Gemeinschaft, das "Dabeisein“, miteinander zu singen, tanzen, trommeln, entspannen, lachen, sich abzulenken... Es kommt nicht auf Perfektion an und egal, ob musikalisch oder nicht: jeder kann mitmachen! Chanten ist wie Medizin - nur ohne Nebenwirkung.

Das Chanten findet einmal pro Woche für ca. 50 Minuten statt. Darüber hinaus gibt es noch ein "Ehemaligen-Chanten" einmal pro Monat für ca 1,5 Std. Dazu sind aktuelle und ehemalige Patienten, deren Familienangehörige, Mitarbeiter und auch Interessierte herzlich eingeladen. Gerade dieser Termin einmal im Monat ist für schon entlassene Patienten ein wichtiger Baustein, weiter aktiv zu sein und somit auch weiterhin einen lockeren Kontakt zur Klinik zu pflegen.

Nacht der heilsamen Lieder in Schwerte

Erste Impression von der ersten Liedernacht in Schwerte, mit Joachim Goerke, Rita Kreisel und Heino Debus.

Mit über 100 Besuchern, darunter auch Patienten, die per Krankenhaustaxi zur Veranstaltung gebracht wurden, war es ein wunderbar entspanntes gemeinsames Singen. Mit über 100 Besuchern, darunter auch Patienten, die per Krankenhaustaxi zur Veranstaltung gebracht wurden, war es ein wunderbar entspanntes gemeinsames Singen.

 

 

5. Singender Faschingsumzug in der Kölner Uniklinik

Alaaf un ene hätzliche Jlöckwunsch!

Der singende Umzug durch die Kölner Uni – Klinik hatte am Wieverfastelovend 2016 seinen ersten halbrunden Geburtstag: zum fünften Mal schon zog eine bunte Schar singender, klingender, springender Jecken durch die Flure der Uni–Klinik.
Das närrische Geburtstagskind bildete wieder einmal eine gelungene Synthese seiner beiden stimmungsvollen und stimmstarken Herkünfte: des Heilsamen Singens und des Kölner Karnevals.
Und wieder einmal wussten bei soviel buntgewandeter Schönheit „de Auge nich, wohin se zueetz luure sollte“ und bei so viel lustvollem Gesang „de Uhre nich wohin se zueetz hüre sollte.“

Neben der schwingungsbegabten und karnevalserprobten „Homebase“ des Singenden Umzugs: den TeilnehmerInnen der wöchentlichen Singgruppe der Uni – Klinik, bestehend aus aktuellen und ehemaligen Patienten, Angehörigen und Angestellten, war kostümierte Verstärkung von nah und fern angereist. So kam neben einem Clown aus Oer - Erkenschwick, einem Siegburger Engel und einem Bonner Teufel, auch eine weitgereiste Kuh aus Thessaloniki.
Wie passend, dass uns Norbert Hermanns, erster Vorsitzender des Vereins der Singenden Krankenhäuser e.V., als ein in Würde ergrauter Hippie - Papageno beim stimmlichen Vorglühen in der Kapelle des Bettenhauses unter anderem mit dem unwiderstehlich charmantem Muhen ostwestfälischer Milchkühe eingestimmt und aufgewärmt hatte.
Ein clowneskes und gut eingespieltes Gitarren – Quartett (Martin Hermanns, Helmut Metten, Monika Wiese und Bärbel Kükenshöner) bildete zusammen mit dem quicklebendigen Trömmelche – Clown Hildegard Grooterhorst das harmonisch – rhythmische Rückgrat der tänzelnden Schlange.
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre schöpfend, hatten sich in der Vorbereitung die Kategorien „Lauflieder“ und „Kreislieder“ herausgebildet und uns dabei geholfen, aus dem großen Schatz heilsamer Lieder und kölscher Gassenhauer eine umzugstaugliche Auswahl zu treffen.
Wer konnte damals ahnen, dass sich die wohl schönsten und berührendsten Momente dieses Umzugs weder beim singenden Umherziehen durch die langen Gänge noch beim ausgelassenen Sing - und Tanzkreis im hohen lichten Foyer des Herzzentrums ereigneten, sondern der gemeinsame Flow spontan eine neue Begegnungsform mit Patienten und Personal der Uni – Klinik kreierte: „die singende Gasse“:
In dem langen Verbindungsgang zwischen dem Hauptfoyer und dem Herzzentrum der Klinik ist eine herrliche Akustik- und die „OP -Strecke“ vieler Patienten. So passierten im Minutentakt Besucher, Menschen in Rollstühlen oder Patienten in ihren Betten die Mitte unserer singenden Schar, die gleichsam zurück beschenkt wurde: so viele strahlende Patienten und Mitarbeiter, die mitwinkten, lachten- und für diesen Moment vermutlich all ihre Angst verloren und ganz im Moment aufgingen. Der neuseeländische „Schlager“Mate Aroha wurde wieder in ein rheinisches „Kölle Alaaf“ umgetextet, und alle Passanten sangen mit, als hätten Sie nie etwas anderes gehört. Härrlisch!

Wunderbar war auch, dass der renommierte Onkologe und Vorstandsvorsitzende von LebensWert e.V., Prof. Michael Hallek mehrfach unseren Weg kreuzte – und auch der stilvoll kostümierte Prof. Walter Möbius, wissenschaftlicher Beirat der Singenden Krankenhäuser e.V., ganz aktiv schunkelnd und textsicher beim Singenden Umzug dabei war. Und noch mehr Aktive waren extra angereist, um den Kult-Umzug mitzuerleben: die neue SiKra-Dozentin und Neuro-Musiktherapeutin Simone Willig filmte zu unserer Freude gemeinsam mit ihrem Partner Jörg Plechinger unser Treiben und bescherte so allen anderen Narren des Landes einen wunderbaren Einblick - Danke dafür! Der Film ist auf der Homepage der Singenden Krankenhäuser, sowie auf facebook und vimeo zu finden.

Nachdem die rheinische Entflammung und singende Begeisterung uns alle in Wallung gebracht und nicht nur Simone Willig in ihrem Schneefrauen – Kostüm und eine engagiert tanzende, für die kalten Weiten der Taiga gekleidete Russin die eine oder andere Schweißperle gekostet hatte, waren wir zurück in der Kapelle, alle glücklich über ein paar Schluck kühles Wasser für unsere durstigen Kehlen.
Und auch der unvergleichlich gute Konfetti – Schoko – Kuchen einer treuen Singgruppen – Teilnehmerin wurde begeistert und dankbar bis zum letzten Krümel verzehrt.
Allen fleißigen Heinzelmännchen und – frauen , die an diesem bunt-schwingenden Erlebnis Anteil hatten, dat es su wor wie et wor: vun Hätze ene jroße Dankeschöööön und Kölle Alaaaf!
Wir freuen uns auf´s Wiedersehen!
Und an dieser Stelle schon mal ein Ausblick auf das nächste Jahr: Da wird der Umzug sechs....und erlangt das schulfähige Alter. KölnerInnen und erprobte Uni – Klinik – UmzüglerInnen ahnen vielleicht schon, welche Schule da in Frage kommen könnte? „...En der Kaygass Numero Null steiht en steinahl Schull......“

Bericht: Bärbel Kükenshöner und Monika Wiese
Fotos: Christian Wittke, MedizinFotoKöln

Gemeindepsychiatrisches Zentrum in Reinheim zertifiziert

v.l.: Franz-Josef Kiefer, Claudia Bock,
Elisabeth Rank-Kuhn, Vera Kimmig

Es war eine klangvolle Feier, bei der die Gäste mehr Lieder sangen als Reden hörten, und das nicht ohne Grund: Das Caritas Zentrum in Reinheim wurde am 26.11.2015 als erstes „singendes gemeindepsychiatrisches Zentrum“ in Hessen ausgezeichnet.
Die Geschäftsstellenleiterin Vera Kimmig vom Verein Singende Krankenhäuser e. V. überreichte in der kleinen Feierstunde das Zertifikat. Der Verein fördert Einrichtungen, die Singangebote als Inseln der Ruhe und des Kraftschöpfens anbieten, da Singen Menschen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen helfen kann, wieder in Kontakt mit ihren Selbstheilungskräften zu kommen.

Im Caritas Zentrum in Reinheim werden zahlreiche Singveranstaltungen angeboten. Bei allen stehen die Freude am Singen, das Gemeinschaftsgefühl, das zwischenmenschliche Miteinander und die Stärkung der seelischen und körperlichen Gesundheit im Vordergrund. Wertvolle Erfahrungen, die gerade in Zeiten der Krankheit gebraucht werden.

Montags gibt es Klangimpulse, dienstags wird mit Klienten der Tagesstätte und des Betreuten Wohnens gesungen. „Manche Klienten haben ihre Instrumente, die sie jahrelang nicht mehr benutzt haben nun wieder ausgepackt und so erklingen bei uns neben den Stimmen auch Mandoline, Gitarren und Akkordeon“, erzählt Elisabeth Rank-Kuhn begeistert. Die Sozialpädagogin, Heilpraktikerin und Singleiterin für Gesundheitseinrichtungen und Altenheime singt selbst leidenschaftlich gerne und weiß, dass Singen entspannt und Stress abbaut. Neben ihren persönlichen Erfahrungen belegen auch wissenschaftliche Untersuchungen, dass Singen gesund ist. „Beim Singen macht man sich keine Sorgen. In Gemeinschaft macht es viel Freude. Bei uns geht es um den Spaß am Singen. Es spielt keine Rolle, ob die Töne genau stimmen. Unser Motto lautet: Ein frohes Lied aus frischer Kehle, wischt allen Staub dir von der Seele!“ Mittwochs ist gemeinsames Volksliedersingen in der Gerontopsychiatrischen Tagesstätte, donnerstags ist Wunschkonzert. Ob Schlager, Volkslied oder Pop, die Wunschpalette ist immer sehr abwechslungsreich. Freitags werden Bewegungslieder zur Gymnastik gesungen. Gut angenommen wird auch die neue Trommelgruppe, in der zu Aerobic Musik auf Pezzibälle getrommelt wird.

Neben diesen internen Veranstaltungen gibt es auch den Offenen Singkreis, der sich jeden zweiten und vierten Donnerstag von 16.30 bis 18:00 Uhr im Caritas Zentrum Reinheim, Darmstädter Straße 55, 64354 Reinheim trifft. Es sind keine Vorkenntnisse nötig, das Alter spielt keine Rolle - Jede und Jeder ist willkommen. „Schön wäre auch, wenn unser Quotenmann noch etwas männliche Unterstützung bekommt“, so Elisabeth Rank-Kuhn.

Dank des neu eingeweihten Aufzuges, der durch die Förderung von Aktion Mensch errichtet werden konnte, ist das Caritas Zentrum Reinheim nun auch barrierefrei.